Ruth Biller

Bewegung und Erinnerung -Movement and Memory

Geklöppelt werden Sternenbilder 2023

Raum für Kunst- QuadrART, Dornbirn, Austria Über die Ausstellung schreibt der Kurator Alfred Graf: Das Sein des Nichts Dreißig Speichen treffen die Nabe, die Leere dazwischen macht das Rad Lehm formt der Töpfer zu Gefäßen, die Leere darinnen macht das Gefäß Lao Tse Ohne das Nichts wäre die Spitze bloß ein Gewebe, ein Leintuch. Ruth Biller hat sich während ihrer Residency in Bregenz dem Thema Spitze, speziell der aus Lustenau angenähert. Erst hat sie recherchiert, dann erprobt, wie sich die Sujets in ihren malerischen Kosmos einbringen lassen. Martina Pfeiffer meint zur Vorgehensweise: „Das Auge erfindet, das Gedächtnis fügt hinzu, der malerische Prozess entwickelt daraus den Akt des eigenen Willens und Vertrauens auf Intuition, einer Spur zu folgen, diese im Bild zu konkretisieren, in Farbe zu materialisieren.“…so die Künstlerin. Bis es zur Arbeit an der Leinwand, auf dem Papier oder anderen künstlerischen Ausdrucksformen kommt, gehen Reflexionen, Recherchen in Bibliotheken oder notwendig wirksamen Orten voraus. Ruth Biller taucht ein, archäologisch, forscherisch, oder mit der Kamera, um zum Ausgangspunkt vorzudringen. Sie spürt der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen nach und sucht dem aus verschiedenen Zeit- und Seinsebenen zusammengesetzten Blick, der immer nur ein Augen-Blick ist, Dauer zu verleihen. Eine schöne Oberfläche wird fragmentiert, Körper und Gesten aus ihrer Zeit gerissen und versetzt in eine erfundene – fließende Räumlichkeit. (Aus „Künstlerisches Schaffen als seismografisches Handeln“, 2023, Kulturring Berlin) Auch die Produzentinnen der Spitze, die Klöpplerinnen hat die Künstlerin bedacht. Doch die berühmteste, die von Jan Vermeer 1669/70 gemalte lässt sie klugerweise außen vor. Am Fest Mariaschnee beteten die Brüsseler Spitzenklöpplerinnen, daß ihr Werk weiß wie Schnee bleibe. (W. Bleier) Wolfgang Bleiers Wort- und Satzschöpfungen haben für mich etwas sehr Bildhaftes. Bilder entstehen bekanntlich durch den Sehprozess ohnehin ausschließlich im Kopf. Ob nun durch Pinsel- oder Zeichenstriche, in Farbe oder Schwarz und Weiß, als über Papier gestreute Buchstaben, unsortiert oder geordnet, sind Betrachtende gefragt, die Kürzel zu einem Bild zu fügen, den Prozess zu Ende zu führen. So sind ausgewählte Texte auf Augenhöhe mit den Objekten der bildenden Kunst in die Ausstellung eingebaut. Ludwig Wittgensgtein postulierte die Verschiedenheit des Blicks auf die Welt, je nach Ausformung eines darüber gelegten Filters. Ich begann mit dem Entschluss diese Ausstellung der Spitze zu widmen, „meine“ Welt auf Reisen durch Geklöppeltes zu betrachten. Sri Lanka: flinke Finger zupfen die Spitzen des Teestrauches ab Türkei: zartes Grün spitzelt aus Knospen – prima vera ein Ausbruch in riesiger Zahl, dem Winter das Grau zu nehmen Blüten kontern mit Weiß, bevor weitere bunte Farben treiben. Rauschhaft. Blütenspitzen: Wystreria, Paulownia, Mohn Rumänien: scharfe Spitzen, wie von Waffen oben auf den Zäunen, darunter Ornament, Zierrat für das Nette, Freundliche Daheim: Kirchturmspitzen, Bergspitzen Spitze Spitzen Kalzite, Fischbeine Spitze Federn im Vogelflug Fadenstiche in die Luft: Nähe, nähe, Wind und Wetter! (W. Bleier) Noch mehr Spitzen ...spitzen Einfach spitze! Alfred Graf

The Return 2022

Soll ich zurückkehren oder gehen? Lora Sariaslan, Kunsthistorikerin und Kuratorin: In der Ausstellung The Return taucht das Thema „Rückkehr“ sowohl im Ausstellungsformat als auch in den Werken selbst auf und zeigt die Tendenzen der Künstler, zu Konzepten über eine Vielfalt von Materialien und Prozessen hinweg zurückzukehren. Durch Installation, Malerei, Druck, Skulptur und Fotografie setzen sich die Künstler mit Fragen von Vertrautem und Fremdem, Heimat und Exil, Zugehörigkeit oder Rückkehr zu sich selbst auseinander. Rückkehr oder die Rückkehr.Der Akt der Rückkehr umfasst mehrere Elemente: die Entscheidung, zu einer Person, einem Ort oder einer Aktivität zu kommen oder zurückzukehren. Oder wenn man etwas zurückgibt, bedeutet es den Akt des Zurückgebens, ob man will oder nicht. Darüber hinaus kann es auf den ultimativen Wunsch nach Rückkehr oder „Nostalgie“ hinweisen, den der Schweizer Arzt Johannes Hofer 1688 geprägt hat, um sich auf das extreme Heimweh zu beziehen, das die Schweizer Soldaten in fremden europäischen Armeen erlebten. 2 Nostalgie kommt vom griechischen nostos und bedeutet „ nach Hause zurückkehren“ und Algie „Schmerz“ oder „Leiden“. Nostalgie bedeutet wörtlich Heimweh und ist eine „krankhafte Sehnsucht, in die Heimat oder Heimat zurückzukehren.“3 Es ist eine Sehnsucht nach der Vergangenheit, die aus der Trennung in und von der Zeit stammt.Daher verkörpert die Rückkehr Schichten von (emotionalen) Bewegungen, und der Akt der Rückkehr kann als palintropisch angesehen werden oder als das, „das sich weiterdreht“ oder „sich umkehrt“; ein Zurückgehen auf sich selbst, eine Art Umkehrung.4 Ob durch den bloßen Akt der Präsentation des Akts der Rückkehr oder durch die Befähigung des Materials, von einer Rückkehr zu sprechen, die Ausstellung The Return beginnt und gelangt zu einer Auswahl von Künstlern, die dies verkörpern Handlung sowie die Vorstellung......(Auszug)

Chiaroscuro 2021

Anna Laudel Düsseldorf presents the solo exhibition “Chiaroscuro” by the Berlin artist Ruth Biller during the summer months. The exhibition title “Chiaroscuro” refers to the stylistic device of chiaroscuro painting developed in the Baroque period, with which bodies, gestures and objects are illuminated by strong contrasts. In her paintings, Ruth Biller uses Baroque pictorial motifs and spatial concepts that aim to dissolve the boundaries of the material-spatial world. The paintings consist of both real and painted parts. By separating and reassembling the canvas, by repeating motifs, the impression of individual cinematic images is created. They recall the principle of the domino game and combine different perspectives into a whole. Through the historical background of her pictorial motifs, the depiction of the staged, masked and disguised human being, the artist creates an arc of tension with today’s everyday culture and deals intensively with current themes such as “fake” and disinformation. “It is about exposing concepts of space as centres of human feeling and memory to current concerns (gentrification, environmental pollution) through an organic understanding,” says the artist. Ruth Biller freely translates processes such as enlargement, colour filtering, negative-positive effects and form-alienating lighting into painting. In doing so, she invents movement in the process of creation, seeks to lend duration to the gaze composed of different temporal planes, which is always only a moment in time, and combines raw aspects of realism with the diversity of the Baroque. In her ‘Chiaroscuro’ series, the artist works primarily with traditional painting materials such as oil, gouache and watercolours. Thus she experiments with layering and glazing, places silver pigment on a dark ground, creates flotsam of golden tones. (Lostandfound, 2021)

Vision und Wanderschaft - Arbeiten auf Papier 2017-2023- Vision and Wandering-Works on Paper 2017-2023

22 Titel: Gouache auf Britannia Hahnenmühle Papier.

Size:60x80cm/50x60cm/30x30cm

In der Reihe geht es um die Bewegung des Menschen: in der Phantasie und real. Die Verknüpfungen mit Natur und vom Menschen geschaffener Umwelt, das Verlassen und Ankommen unter schwankenden, nomadischen Bedingungen. Das Gedächtnis speichert Bilder von Verortungen, die sich zeitlich wie ein Kaleidoskop rückwärts und vorwärts drehen. Meine Eindrücke entstammen eigenen wie gefundenen Motiven und Inspirationen. Das visuelle Zusammenfügen spiegelt eine Momentaufnahme in der Bewegung. Die Werke sind prozesshaft und frei in Schichten oder Lasuren mit Wasserfarbe und Gouache gemalt.

The series is about human movement: in the imagination and in reality. The connections with nature and man-made environment, leaving and arriving under fluctuating, nomadic conditions. Memory stores images of locations that rotate backwards and forwards in time like a kaleidoscope. My impressions come from my own found motifs and inspirations. The visual assembly reflects a snapshot in motion. The works are processual and freely painted, in layers or glazes with watercolor and gouache.